Kinderwunsch

Schätzungen zufolge sind in Deutschland zwischen 1,5 Mio. und 2,0 Mio. Paare ungewollt kinderlos 1. Bei nur ca. 74.650 Behandlungen (auch Mehrfachbehandlungen pro Paar) im Jahr 2014 2 zeigt sich, dass eine erhebliche Dunkelziffer an Paaren vorhanden ist, welche bei Kinderwunsch keine Behandlung in Anspruch nehmen. Die Gründe hierfür sind natürlich sehr unterschiedlich. Von einer Sterilität spricht man in der Regel, wenn in einer Partnerschaft mit einer normalen sexuellen Beziehung innerhalb eines Jahres keine Schwangerschaft eintritt. Ohnehin beträgt die Chance schwanger zu werden selbst unter optimalen Bedingungen nur ca. 30 % pro Zyklus.

Vielfach ist der unerfüllte Wunsch Kinder zu bekommen mit vielen Hemmungen und Ängsten verbunden. Auch das persönliche Unvermögen nicht schwanger werden zu können lässt viele Betroffene schweigen. Als ehemaliger Kinderwunschpatient habe ich selber die Erfahrung mit diesen Problemen gemacht. Zwischenzeitlich habe ich jedoch feststellen können, dass seitdem ich offen mit meiner Kinderwunschbehandlung umgehe, mir aus meinem Umfeld viele Fragen – auch von Betroffenen – gestellt wurden oder auch nur kundgetan wurde „ach, das haben wir auch gemacht“. In diesem Zusammenhang ist auch die sehr positive Arbeit der Homepages www.klein-putz.net und www.wunschkinder.net zu erwähnen, welche Betroffenen ein Forum geben, sich auszutauschen. Hier kann man vielfach Zuspruch und emotionale Unterstützung erfahren. Selbst im Erfolgsfall braucht es im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung meistens mehrere Behandlungsversuche, so dass Enttäuschungen bei negativen Versuchen und Ängste leider nicht vermieden werden können. Darüber hinaus geben die Foren gute und verständliche Unterstützung bei der Beantwortung von naheliegenden Fragen, wie z.B. was ist IVF oder was ist ICSI, bis zu komplexen Verfahren der Kinderwunschbehandlung.

Neben der emotionalen Belastung ist die finanzielle Seite eine weitere Hürde und ein Grund für die „geringe“ Anzahl von Kinderwunschbehandlungen. Allein die Kürzung des Anteils der Kostenerstattungen bei der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) im Jahr 2004 führte dazu, dass die Anzahl der Behandlungen um ca. 44 % von ca. 105.000 (2003) auf ca. 59.000 (2004) zurückging. Aber auch die Patienten mit Beihilfeberechtigung oder mit einer privaten Krankenversicherung ( PKV ) stehen vielfach nicht besser da, weil – wie ich selber erfahren musste – mit zum Teil fragwürdigen Argumenten berechtigte Ansprüche verweigert werden.

Die Kosten einer sogenannten künstlichen Befruchtung hängen von der notwendigen Behandlungsmethode ab. Der Begriff „künstliche Befruchtung“ ist streng genommen irreführend, da die Reproduktionsmedizin nur die natürliche Befruchtung – notfalls auch außerhalb des Körpers – unterstützt. In der Regel handelt es sich hierbei um eine In vitro Fertilisation (IVF), eine intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) oder eine intrauterine lnsemination (IUI). Ergänzend kommen diagnostische Verfahren wie eine Polkörperdiagnostik (PKD) oder eine Präimplatationsdiagnostik (PID) hinzu.

Bei allen vorgenannten Problemen ist hervorzuheben, dass eine Kinderwunschbehandlung gute Aussichten auf ein Kind gibt. In der Zeit von 1997 bis 2014 haben in Deutschland insgesamt ca. 224.467 Kinder ihre Existenz einer künstlichen Befruchtung zu verdanken (3). Bei durchschnittlich sechs Behandlungszyklen ergibt sich eine kumulative Wahrscheinlichkeit auf ein Kind von ca. 72% bzw. bei Patienten unter 35 Jahren sogar 82% (4). Auf einen einzelnen Behandlungsversuch beträgt gemäß dem IVF-Register die Wahrscheinlichkeit der Schwangerschaft bei einer IVF 36,1 % und bei einer ICSI 33,6 %, so dass die Wahrscheindlichkeit einer natürlichen Schwangerschaft noch übertroffen wird.

Es lohnt sich somit zu kämpfen!

Fußnoten:
1 http://www.wunschkind.de/fuer-alle/daten-und-fakten/daten-und-fakten/fakten-ungewolltekinderlosigkeit/index.html
2 Deutsches IVF-Register, Jahrbuch 2014, Seite 12.
3 Deutsches IVF-Register, Jahrbuch 2014, Seite 33.
4 Deutsches IVF-Register, Jahrbuch 2010, Seite 10.