Europäischer Gerichtshof erklärt Verbot der PID (in Italien) für unzulässig

Das Verbot der Präimplantationsdiagnostik ist nach Auffassung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) ein unverhältnismäßiger Eingriff in den durch Art. 8 Menschenrechtskonvention geschützten Bereich. Im Urteil Costa und Pavan gg. Italien vom 28.8.2012 äußerte sich der EGMR erstmals zur Regelung der Präimplantationsdiagnostik.

Im Urteil Costa und Pavan gg. Italien vom 28.8.2012 äußerte sich der EGMR erstmals zur Regelung der Präimplantationsdiagnostik. Das beschwerdeführende Paar hatte bereits eine an der Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose leidende Tochter. Nachdem bei einer weiteren Schwangerschaft festgestellt wurde, dass der Fötus ebenfalls an dieser Krankheit litt, entschieden sich die Eltern zu einer Abtreibung. Um ihren Wunsch nach einem gesunden Kind zu erfüllen, wollten sie eine In vitro Fertilisation (IVF) vornehmen lassen, bei der vor der Einpflanzung des Embryos festgestellt werden könnte, ob das Kind ebenfalls an der Stoffwechselerkrankung leiden würde. So könnte sichergestellt werden, dass nur ein gesunder Embryo eingepflanzt würde.

Nach italienischem Recht steht eine IVF allerdings nur sterilen Paaren zur Verfügung, die Präimplantationsdiagnostik ist gänzlich verboten. Den Beschwerdeführern bliebe daher keine andere Wahl, als eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege herbeizuführen und wiederum eine Abtreibung vornehmen zu lassen, sollte sich im Wege der Pränataldiagnostik herausstellen, dass die Stoffwechselerkrankung wieder auf das Kind übertragen wurde.

Genau darin lag für den EGMR der Grund für die Feststellung einer Konventionsverletzung: Wenn der Gesetzgeber die Abtreibung im Fall einer derartigen Erkrankung gestattet, ist nicht einzusehen, warum der weniger beschwerliche Weg der medizinisch unterstützten Fortpflanzung unter Inanspruchnahme der Präimplantations­diagnostik verwehrt wird.

Quelle: www.loc.gov/lawweb/servlet/lloc_news?disp3_l205403307_text

 

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